Kundenfeedbacks und Berichte

FEEDBACK:

Gelassenheitstraining zwischen Mensch Hund und Pferd

Anfang Mai erreichte uns dieses Foto mit folgender Nachricht:

„Absolut großartig, vielen Dank hierfür und einen schönen Feiertag“

13410479_987226351373560_1191244178_o

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sabrina und Lino sind bei uns im Training, um an der Gelassenheit von Hund Lino und Pferd Velvet bei gemeinsamen Ausritten zu arbeiten. Die Drei machen große Fortschritte und auch mit Sohn Ian (10 Jahre) klappt die Kooperation prima, wie das Foto zeigt :-) .

 

Therapie der Angst vor Hunden von zwei Kindern

Analyse und Feedback zu einem Training zur Angstbewältigung vor Hunden mit zwei Kindern (7 und 9 Jahre alt). Melissa, 7 Jahre alt, war Ende April 2011 von einem Rottweiler in die Brust gebissen worden und daraufhin 4 Tage im Krankenhaus in Behandlung. Sie und ihr 9 Jahre alter Bruder, Marvin, hatten seitdem panische Angst vor Hunden. Vom 16.09. bis 15.10.2011 kamen sie und ihre Mutter (manchmal auch noch in Begleitung ihres Vaters) für 5 Termine in die Hundeschule Teamwork (wobei der erste der fünf Terminen bei ihnen zu Hause, ca. 45 km entfernt von Stadtallendorf stattfand). Für eine wissenschaftliche Arbeit habe ich einige Fragen gestellt, die die Mutter der beiden Kindern beantwortet hat und die ich auch auf der Homepage veröffentlichen darf:

1.) Folgende Dinge haben zum sehr guten Erfolg beigetragen:

– Die Hundetrainerin Anke Rochelt hat jede Therapiestunde von den Kindern aus geplant und durchgeführt, dass heißt, dass die Kinder das Maß, das Tempo und die Art der Beschäftigung mit den Tieren selbst bestimmen durften. Dabei lernten die Kinder, sich selbst im Umgang mit den Hunden gut einzuschätzen und haben intensiver gespürt, wann sie welche Situation gut aushalten konnten.

– Frau Rochelt hat das gesamte Vorgehen und dann im Einzelnen jede Handlung, die sie nur mit den Kindern oder mit Kindern und Hunden vollziehen möchte, vorher angekündigt, mit den Kindern besprochen und sich rückversichert, ob alle Beteiligten damit einverstanden sind. Erst dann folgte die eigentliche Durchführung. Somit entstand bei den Kindern schnell ein großes Vertrauen und die Sicherheit, dass nichts Unvorhergesehens passieren wird.

– Frau Rochelt hat vor und während der Arbeit mit den Kindern und Hunden immer eine Rückzugsmöglichkeit angeboten, falls die Kinder in der jeweiligen Situation doch merken, dass sie sich vielleicht überschätzt haben oder Angst bekommen.

– Auch hat sie den Kindern den jeweiligen Hund immer sehr genau beschrieben, bevor die Kinder in Kontakt mit ihm getreten sind. Anke Rochelt hat dabei auch Fotos gezeigt, über die Charaktereigenschaften erzählt und erklärt, wie der jeweilige Hund aufgewachsen ist und warum er vielleicht gerade deshalb heute ein solches Verhalten zeigt. Bevor der Hund dann in den Raum geführt wurde, hat Frau Rochelt den Kindern erzählt, wie sich der Hund beim Reinkommen verhalten wird und erklärt, warum das so ist. Die Kinder waren also sehr gut darauf vorbereitet, dass der jeweilige Hund gleich zum Beispiel bellen könnte und sie hatten genügend Zeit, sich einen Platz weiter weg von der Tür zu suchen und alles erst einmal aus der Ferne aus zu beobachten.

– Frau Rochelt hat sehr kleinschrittig mit den Kindern die Hundebissattacke aufgearbeitet. Sie hat mit ihnen darüber gesprochen, erklärt, warum es warscheinlich zu diesem Vorfall gekommen ist und wie Hundetraining heute besser durchgeführt wird, um solche Vorfälle zu vermeiden. In diesem Zusammenhang sollten sich die Kinder Fragen überlegen, die sie dem Rottweiler heute stellen werden. Die Antworten haben sie nach diesen Gesprächen dann fast selbstständig gefunden.

– Durch den Umgang mit den Hunden und die ständigen, manchmal nur beiläufgen Erklärungen, warum der jeweilige Hund sich jetzt genau so verhält und nicht anders, haben die Kinder die Körpersprache der Hunde kennen- und verstehen gelernt. Das hilft ihnen auch heute noch, fremde Hunde, die auf sie zukommen, einzuschätzen und nicht gleich in panischer Angst davonzulaufen. All diese Handlungen und Gespräche haben dazu beigetragen, dass aus dem panischen Weglaufen vor Hunden ein Auf-Hunde-Zugehen wurde und aus dem oft verwendeten Satz der Kinder „Ich hasse Hunde!“ Sätze wurden wie „Ich mag Hunde, weil…“, „Der Hund ist aber süß!“, „Wenn ich groß bin, möchte ich auch einen Hund als Haustier haben!“

2.) Das Wichtigste in der gemeinsamen Arbeit war , dass Frau Rochelt es geschafft hat, die Liebe, die sie zu ihren Tieren empfindet, den Kindern nahe zu bringen. Sie hat die Kinder mit dieser Liebe angesteckt und es geschafft, dass die Kinder Frieden schließen konnten mit all den schlimmen Erinnerungen, die sie mit sich trugen. Sie nun sogar anfingen, Hunde zu lieben.

 

BERICHT:

Aufbau der Gegenkonditionierung am Beispiel von Dobermann Nero der Kinder anbellt

Die Gegenkonditionierung kann man gut im Training mit Hunden, die auf einen bestimmten Auslösereiz mit Bellen, Angst oder Leinenziehen, reagieren anwenden. Im Beispiel mit Dobermann Nero ist dieser Auslösereiz „spielende Kinder“. Nero reagiert auf diese mit Bellen und an der Leine ziehen.
Das Trainingsziel ist, dass Nero brav an der Leine läuft, gelassen zu den spielenden Kindern schaut und ansprechbar sowie abrufbar, also unter Signalkontrolle bleibt. Seine Aufmerksamkeit soll sich also wieder auf seinen Menschen richten.
Da Nero, in Situationen mit spielenden Kindern, aber vor lauter Aufregung nicht ansprechbar ist, wissen sich seine Menschen keinen Rat.
Im Training bei Anke erklärt diese worauf man bei der Gegenkonditionierung achten muss.
Der erste Kontakt soll im Seminarraum der Hundeschule Teamwork stattfinden. Mit Nero`s Menschen plant Anke diese zunächst gestellte Situation genau und bespricht alle Eventualitäten. Sie weist nochmal darauf hin wie wichtig das richtige Timing ist und erklärt welches Verhalten belohnt werden soll.
Das richtige Timing kann man am besten in einer entspannten Situation üben. Beim letzten Training mit Nero, bei ihm zu Hause, haben wir dies daher schon geübt. Hier war der Auslösereiz kein Kind, sondern eine erwachsene Person, die zunächst langsam und im Laufe der Übung immer schneller durch das Wohnzimmer gelaufen ist. So konnten Nero`s Besitzer die richtige Technik einüben und diese dann auch in der Situation mit Kind anwenden.
20150514_113448_resizedIm ersten Schritt darf Nero den Raum kennenlernen und überall ungestört schnüffeln.
Daraufhin nehmen ihn seine Menschen an die Leine und spielen mit ihm ein paar Suchspiele. Während Nero beschäftigt ist und freudig nach Leckerchen sucht kommt das Kind, in Begleitung eines Erwachsenen, in den Raum. Mit etwas Abstand fängt es ruhig an zu spielen und beachtet den Hund nicht weiter. Nero`s Besitzer bestätigen sein ruhiges Verhalten, insbesondere ruhiges Hinschauen zum Kind. Hier ist die Reihenfolge wichtig. Das Futter darf erst angeboten werden, wenn der Hund den Auslöser wahrgenommen hat. Der Hund soll also nicht abgelenkt werden mit Futter, damit er die Belohnung auch mit seinem ruhigen Auftreten verknüpfen kann. 20150514_113555_resizedFür ein erstes ruhiges Zusammentreffen kann es aber gut sein den Hund wie beschrieben mit Suchspielen zu beschäftigen um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Nimmt der Hund dann den Auslösereiz, wie in diesem Fall das Kind, wahr und schaut entspannt, wird er sofort belohnt.
Als Nächstes bereitet das Kind ein Suchspiel mit Leckerchen für Nero vor. Dieser darf es dabei beobachten und wird für ruhiges Verhalten von seinen Menschen belohnt. Ist das Kind fertig darf der Hund die Leckerchen suchen.
Je nachdem, wie die Trainerin und auch die Besitzer des Hundes, die Situation einschätzen darf der Hund auch das Kind begrüßen, ein Leckerchen aus dessen Hand fressen oder in seiner Nähe ein paar Leckerchen suchen. Auch die Begleitperson kann positiv eingebunden werden, indem sie den Hund belohnt und dadurch die Situation positiv belegt.

 

 

 

 

 

20150514_113756_resizedSehr ähnlich bauen wir die Situation nun auch draußen im Garten auf.
Nero darf sich auch hier erst einmal umschauen, ein paar Leckerchen suchen und sich mit der Umgebung vertraut machen. Während er sich umschaut, kommt dann wieder das Kind in Begleitung in den Garten und spielt ruhig in einer Ecke. Für ruhiges hinschauen belohnen Nero seine Menschen. Er darf sich umschauen und auch Interesse am Kind ist durchaus erwünscht.
Auch hier darf je nach Situation und in gemeinsamer Absprache mit Anke und Nero`s Besitzern das Kind Leckerchen füttern und der Hund das Kind beschnuppern. Die Begleitperson wird auch wieder einbezogen und gestaltet die Situation sehr positiv für den Hund indem Leckerchen gefüttert werden. Immer mal wieder sprechen auch Nero`s Menschen ihn an und belohnen ihn, wenn er ihnenAufmerksamkeit schenkt. 20150514_114413_resized

 

 

 

 

 

Ganz absichtlich gestallten wir diese Situationen sehr einfach, sodass der Hund eine große Chance hat alles richtig zu machen. Absolviert er die Situationen zuverlässig kann man die Übungen steigern. Das kann bedeuten, dass man den Abstand zum ursprünglichen Auslöser verringert, dieser mal sitzt, steht oder sich bewegt, der Auslöser auch mal gewechselt wird (zunächst vielleicht ein großes Kind und später immer jüngere, irgendwann auch mal mehrere Kinder), die Situationen sollten auch in unterschiedlichen Umgebungen und zu unterschiedlichen Tageszeiten geübt werden und auch alle anderen Umweltreize sollten mal wechseln.
Um Nero möglichst unterschiedliche Situationen zu bieten, in denen er dem Kind begegnet, fahren wir nach einem erfolgreichen Training im Garten zum Waldgelände, um die Übung dort erneut aufzubauen.
Wie bereits im Seminarraum und auch im Garten darf sich Nero wieder ganz entspannt umschauen. Er schnuppert alles ab und erkundet die neue Gegend. Seine Menschen machen ein paar Übungen mit ihm und beschäftigen ihn mit Suchspielen. 20150514_115357_resized
Im nächsten Schritt kommt dann wieder das Kind in Begleitung eines Erwachsenen dazu. Während Nero`s Besitzer ihn für ruhiges Verhalten bestätigen, sucht sich das Kind eine Ecke und beginnt wieder ruhig zu spielen. Nero und seine Menschen gehen ein bisschen über das Gelände spazieren und auch mal etwas näher zum Kind. Jedes ruhige hinschauen wird belohnt.
Auch hier darf das Kind wieder etwas Schönes für den Hund vorbereiten. Der große Baum mit der dicken Rinde bietet sich gut an, um Futter in die Rinde zu stecken. Nero darf dabei zusehen und wird weiterhin für ruhiges Verhalten belohnt.

20150514_120841_resized

Dann ruft das Kind den Hund und gibt das Kommando „Such“.

20150514_115710_resized

 

 

 

 

 

So verringert sich nach und nach die Distanz zwischen Hund und Kind und wird, durch die für den Hund schöne Situation mit Leckerchen suchen, positiv belegt.
Jetzt darf Nero, nach gemeinsamer Reflexion des bisherigen Verlaufs der Übungen, auch mal frei laufen und wir behalten die Situation gut im Blick. Nero ist ganz entspannt und mehr an den Leckerchen, die das Kind füttert, interessiert als am Kind selbst.20150514_115824_resized
Da Nero ja eher bei wild spielenden Kindern bellt, also die Bewegung mit als Auslöser für sein bellen und ziehen verantwortlich ist, steigern wird die Übung nun noch etwas. Nero hat die Übungen bisher sehr gut gemeistert und ist weiterhin sehr entspannt und gut ansprechbar. Nach einer kurzen Pause in der er noch ein bisschen das Gelände anschauen darf starten wir also in die nächste Übung.
Zwischen zwei Verkehrshütchen soll das Kind mit Begleitperson nun hin und her rennen. Nero ist zunächst angeleint und geht mit genügend Abstand zu der Situation gemeinsam mit seinen Menschen etwas umher. Für sie ist es nun wieder wichtig im richtigen Moment zu belohnen und wenn der Hund zu aufgeregt ist, den Abstand zu vergrößern. 20150514_121246_resized
Nero meistert auch diese Situation super. Er bleibt bei seinen Menschen und lässt sich nicht zum mit rennen animieren. Deshalb steigern wir die Übung noch weiter und lassen ihn von der Leine. Auch das ist dank der vorherigen Trainingsschritte, und da Nero das Kind nun schon kennengelernt hat, kein Problem. Das heißt aber nicht, dass Nero nun keine spielenden Kinder mehr anbellt. Natürlich muss er dies noch ganz oft üben, in jeder Situation im Alltag. Dabei ist es für seine Menschen wichtig, die Situation gut zu überblicken, und zunächst den Abstand angemessen zu vergrößern. Mit viel Übung in den verschiedensten Situationen wird Nero dann bald spielenden Kindern mit Freude begegnen und seine Konzentration auf seine Menschen haben, die ihn großzügig belohnen.

Wichtig zu beachten ist noch, nicht zu lange auf einmal zu trainieren, also nicht länger als eine halbe Stunde mit mehreren Pausen, in denen der Hund machen darf was er will. Und jedes Training sollte mit einer einfachen Übung die der Hund schon gut beherrscht beginnen, damit er sich auf das Training einstellen kann und weiß worum es geht.
Sollte es Trainingsrückschritte geben oder der Hund ist an einem Tag nicht konzentriert, dann sollte man lieber nur leichte Übungen machen beziehungsweise ein – zwei Schritte im Trainingsverlauf zurückgehen.
Je länger und stärker der Hund bereits das alte unerwünschte Verhalten zeigt, umso länger dauert es die positive Verknüpfung herzustellen.
Die Gegenkonditionierung kann in den verschiedensten Fällen und auch bei der Welpenerziehung, am besten schon bevor Probleme auftreten, angewandt werden. Mögliche Alltagsreize durch verschiedenste Geräusche, Dynamik und auch bei Verhältnissen von Nähe und Distanz kann hier vorrausschauend gehandelt und die natürliche Reaktion des Hundes gegenkonditioniert werden.
Wichtig ist es auch im Alltag vorausschauend zu handeln, es hilft zu agieren anstatt zu reagieren und selbst immer gelassen zu bleiben.

Praktikantin Lea J. Benfer