Brustgeschirr oder Halsband? Was wann?

Welche Halsung ist für Hunde zu empfehlen?

BRUSTGESCHIRR:

Ich möchte Ihnen nachfolgend die Fakten nennen, die für ein Brustgeschirr sprechen

1.) Physiologische Gründe

1.) Die Wirbelsäule des Hundes ist im Prinzip genauso empfindlich, wie die des Menschen. Auch wenn man den Hund nicht über Leinenruck ausbildet (diese Methode ist glücklicherweise seit Jahren überholt), läuft der Hund Gefahr, immer mal wieder in die Leine zu laufen (z.B. wenn er einen anderen Hund sieht, wenn eine Katze wegrennt, usw.).
Jedes mal erfährt er dadurch einen Ruck im Halsbereich.

Am schlimmsten ist es, wenn das Halsband sehr dünn ist, so dass durch das Halsband nicht zwei Wirbel gleichzeitig abgedeckt sind.
Der Gebrauch eines solchen Halsbandes kann zu Schädigungen an der Wirbelsäule führen.
Aber auch Halsbänder mit „normaler“ Breite können zu Schädigungen der Wirbelsäule und/oder zu Schädigungen oder Verspannungen des Muskelapparates sowie zu Schmerzen führen.

2.) Psychosoziale Gründe

Die gesamte Halsregion des Hundes hat eine starke kommunikative Bedeutung im psychosozialen Bereich:

Die beiden seitlichen Halspartien dienen dem Ausdruck von Freundschaft und Vertrautheit von Hundeindividuen. Das äußert sich z.B. durch gegenseitige Körperpflege in diesen Bereichen oder durch das sanfte Spielaufforderungs-Knaffen in diese Bereiche. Der Nacken und die Kehle des Hundes dienen zur Klärung der Über- oder Unterlegenheit in der jeweiligen Situation. Man sieht z.B. häufig, dass ein Hund dem anderen in der sogenannten T-Stellung die Kehle auf den Nacken legt (Ausdruck der Überlegenheit). Oder wenn sich ein Hund einem anderen Hund unterwirft, bietet er ihm die Kehle (Ausdruck der Unterlegenheit).

Doch weder beim Auflegen der Kehle auf den Nacken, noch beim Darbieten der Kehle als Unterwerfungsgeste wird der Halsbereich grob angetastet. Diese Gesten werden mit keiner oder mit sehr geringen Berührungen der Hunde untereinander ausgetauscht und haben auf diese Weise ihre große kommunikative Wirkung. Die Fälle, in denen Hunde, die zu der Gruppe der Caniden gehören, den Halsbereich eines anderen Tieres stark berühren und greifen, ist im Zusammenhang mit Beutetieren, wenn sie diese packen und totschütteln. Würden Hunde untereinander dieses Verhalten zeigen, wäre dies asoziales Verhalten.

Durch das Führen eines Hundes im Halsband bekommt der Hund sehr oft Impulse im Halsbereich (wie gesagt, auch wenn man nicht über den Leinenruck arbeitet), so dass es für ihn zunächst einmal eine permanente Signalüberflutung im Halsbereich bedeutet. Da diese empfangenen Signale von ihm bedeutungsmäßig nicht zugeordnet werden können, stumpft seine Empfänglichkeit für Signale im Halsbereich weiter ab.

Das kann dazu führen, dass Hunde, je nach Veranlagung, zu ängstlichem oder zu aggressivem Verhalten neigen.

Das Brustgeschirr ist kein Hilfsmittel, um dem Hund das Ziehen an der Leine abzugewöhnen. Es gibt zwar Hunde, die, wenn sie anstatt des gewohnten Halsbandes ein Brustgeschirr angezogen bekommen, von sich aus nicht mehr an der Leine ziehen, doch das Geschirr ist kein Garant dafür, dass ein Hund nicht (mehr) an der Leine zieht.

Ein Hund kann sich das Ziehen sowohl im Halsband, als auch im Brustgeschirr angewöhnen. Ich habe einen Hund kennen gelernt, der seine Besitzer im Stachelwürger davon zog. Ob ein Hund zieht, oder nicht, hat etwas mit Lernverhalten zu tun und zwar, ob der Hund gelernt hat, durch Ziehen von Ort A nach Ort B zu kommen.
Je öfter ihm das gelingt, umso mehr wird das Ziehen belohnt und umso verstärkter wird es gezeigt.

Wir üben in der Hundeschule das Laufen an lockerer Leine basierend auf einem konsequenten Lernverhalten, so, wie es auch in dem Buch „Hilfe mein Hund zieht“ von Turid Rugaas, erschienen im animal learn Verlag, beschrieben steht. Mit dieser Methode haben wir auch erwachsenen und großen Hunden, die seit Jahren starkes Ziehen an der Leine praktiziert haben, das Ziehen erfolgreich abgewöhnt.

BREITES, BEQUEMES HALSBAND:

Bei längeren Spaziergängen und Wanderungen, in Gebieten, in denen der Hund meist ohne Leine laufen kann, ist es oft angenehmer für den Hund im Halsband zu laufen. Der Hund kann sich in Pausen beim Liegen bequemer „eindrehen“ und es ist nicht so viel „Material“ am Hund, das naß und dadurch schwer werden kann, wenn es regnet.

WICHTIGE GRUNDREGEL:

Egal, ob Sie Ihren Hund im Brustgeschirr oder im Halsband führen, beachten Sie bitte, Richtungsänderungen, Verlangsamung oder Verschnellerung des Lauftempos oder sonstige Änderungen, die Sie gerade beim Laufen an der Leine mit ihrem Hund durchführen möchten, über K o m m u n i k a t i o n (Signalwort und Geste) dem Hund anzuzeigen und nicht dadurch, dass er hinter seinem Besitzer her- oder um eine Kurve herum gezogen wird.

Und noch eine weitere wichtige Info:

Wie oben beschrieben, empfehlen wir Brustgeschirr (oder ein breites, bequemes Halsband). Da wir gewaltfrei arbeiten, bitten wir, folgende Halsbänder nicht zu verwenden: Stromhalsband, Stachelwürger, Endloswürger, Cesar-Millan-Halsband, Achselgeschirr.

In besonderen Ausnahmefällen kann ein Halti verwendet werden, das aber nur nach sorgfältiger Rücksprache mit uns. Im Allgemeinen raten wir auch von einem Halti (Kopfhalfter) ab.

Daher bitten wir Sie, zum Training (und auch privat!), die direkt hierüber genannten Halsbänder nicht zu verwenden.

Empfehlenswert ist, wie ganz oben beschrieben, ein gut sitzendes Brustgeschirr (oder für manche Situationen, siehe genauere Beschreibung jeweils oben) ein bequemes, breites Halsband.