Stress bei Hunden

In unserem Alltag gibt es viele Dinge die unsere Hunde stressen können. Unser Tagesablauf ist häufig wenig auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt.

In Maßen ist Stress für Hunde, wie auch für uns Menschen, gut zu verarbeiten und gehört zum Leben dazu. Doch natürlich ist zu viel Stress nicht gesund, er kann zu Fehlverhalten und sogar Krankheiten führen.

Insbesondere in Trainingssituationen, aber auch im Alltag ist Entspannung die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Training.

Stressauslöser im Alltag

Reizüberflutung, wenig Ruhe, Bewegungs- und Geräuschreize, extreme Hitze oder Kälte, Durst oder Hunger und Über- oder Unterforderung können für Hunde Stress bedeuten.

Wir haben die Verantwortung auf unseren Hund zu achten und seine Bedürfnisse zu erkennen und sie zu erfüllen, damit können wir Stress bei unserem Hund verringern.

[ Häufig herrscht noch die Meinung vor, dass Hunde sich unserem Alltag anpassen müssen und mit den alltäglichen Dingen lernen müssen klar zu kommen. Die Entscheidung für einen Hund bringt jedoch Verantwortung für ein Lebewesen mit sich und betrachten wir den Hund als Freund und Familienmitglied sollten wir ihn auch genau so behandeln und ihm ein angenehmes und stressreduziertes Leben ermöglichen. ]

Doch auch schöne Dinge können Stress auslösen.

Wilde Spiele über einen längeren Zeitraum und auch zu viel Aufmerksamkeit kann für einen Hund Stress bedeuten. Denn auch stressige und aufregende Situationen, die eigentlich positiv sind, wie zum Beispiel auch sehr wildes aufgeregtes Spiel von Junghunden, können in Streit oder sogar Aggression kippen.

Es ist wichtig, häufige Pausen und Ruhephasen einzulegen. Außerdem sollte der Hund größtenteils ruhig beschäftigt werden, zum Beispiel mit entspannten kommunikativen Spaziergängen. Kommunikatives Spazierengehen heißt, das wir uns auf dem Spaziergang immer mal wieder mit dem Hund beschäftigen und ihm kleine Aufgaben stellen, die wir dann gemeinsam meistern. Diese Aufgaben können das Üben oder Ausführen von Tricks in entspannter Atmosphäre und verschiedenen Formen von Nasenarbeit und Futtersuche sein. Dabei sollten Sie darauf achten, dass Sie in der Regel in einem Gebiet spazieren gehen, das ihr Hund kennt und wo er entspannt spazieren gehen kann. Hin und wieder können Sie gemeinsam neue Strecken erkunden und auch mal an ganz anderen Orten spazieren gehen um Ihrem Hund neue Gerüche und Eindrücke zu verschaffen.

Stresssignale bei Hunden

können sehr verschieden aussehen. Wir sollten unseren Hund dahingehend gut beobachten. Zeichen von Stress können vermehrter Gebrauch der Calming Signals sein, Hecheln, große Augen und Haarausfall. Auf Dauer kann Stress auch zu Meideverhalten, Krankheitssymptomen oder auch Aggression führen.

Kurzfristige stressige Situationen können unsere Hunde gut meistern, sofern sie danach genug Zeit und Ruhe haben sich von diesen Situationen zu erholen. Das kann je nach Hund bis zu fünf Tagen dauern.

Es ist aber wichtig mit dem Hund an den Ursachen für den Stress zu üben, damit es nicht zu einem erlernten Aufregungsverhalten kommt, was zu Dauerstress führen kann.

Hier hilft es ruhige Beschäftigungen mit dem Hund zu machen, wie Nasenarbeit. Auch Kauartikel wirken beruhigend und können im Nachhinein helfen, Stress abzubauen.

Situationen in denen der Hund vermehrt Stress hat, sollten gut strukturiert werden. Je nachdem was der Auslöser für die Situation ist kann etwas mehr Abstand helfen. Bekommt der Hund eine Aufgabe, wie zum Beispiel nach Futter zu suchen oder eine einfache Übung zu machen, gibt ihm das Halt und er kann die Situation besser meistern. Nach Futter suchen und viel schnüffeln ist außerdem gut, da sich Hunde dadurch gut beruhigen.

Wichtiges für die Hundestunde und Kontakte zu Hunden auf Spaziergängen

Welpen-/ Junghunde- und Gruppenkurse in der Hundeschule sind mit vielen Außen-Reizen verbunden. Insbesondere die Ankunft auf dem Gelände kann für den Hund sehr aufregend sein, besonders wenn man sich für den Aufbruch nicht genug Zeit genommen hatte.

Durch die Aufgeregtheit jedes Hundes werden die Freispiele manchmal zusätzlich wild und aufregend und somit auch potenziell konfliktträchtig.

Deswegen ist es wichtig, bereits vor der Hundestunde mit dem eigenen Hund entspannt spazieren zu gehen, damit er sich lösen konnte. Angekommen am Trainingsgelände, ist es wichtig, sich bereits vom Auto zum Platz auf die Kommunikation mit dem Hund zu konzentrieren. Ist der Hund sehr aufgeregt hilft Nasenarbeit, um ihn zu beruhigen und eine klare Kommunikation. Wir Menschen haben die Führung übernommen und entscheiden wo und wie wir auf das Gelände gehen. Dabei ist auch auf die anderen Mensch-Hund-Teams zu achten. Sie können absprechen, ob sich Ihre Hunde kurz begrüßen dürfen oder eher nicht und bitte darauf achten, dass es bei einer kurzen Begrüßung bleibt. Nach einer längeren Begrüßung wollen die Hunde oft spielen und es besteht die Gefahr, das sich die Leinen verwickeln oder einer der Hunde fühlt sich bedrängt und es kann eher zu einem Konflikt kommen.

Ruhe-/Pausen-Signal

Es ist auch hilfreich, dem Hund ein Ruhe-/Pausensignal beizubringen. Dabei ist ganz wichtig zu beachten, dass ich das Wort, das ich als Ruhe-/Pausensignal konditionieren möchte, in den ersten Wochen des Übens IMMER NUR DANN SAGE, WENN DER HUND ENTSPANNT UND IN RUHE IST. Z.B., wenn er sich zu Hause gemütlich in sein Körbchen gelegt hat oder anderweitig GERADE ZUR RUHE KOMMT. In diesem Moment bitte auf ruhige Weise ein Wort wie „Pause“ , „Ruhe“ oder ähnliches sagen. Durch wochenlanges Üben zum richtigen Zeitpunkt (wenn der Hund gerade zur Ruhe kommt), verknüpft der Hund das genannte Wort mit gelassenem Verhalten bzw. damit, zur Ruhe zu kommen. ERST DANN darf ich das Wort benutzen, wenn der Hund aufgeregt ist, um ihm damit zu helfen, zur Ruhe zu kommen. Ich muss das Wort dann aber weiterhin immer wieder aufladen, das heißt es weiterhin sagen wenn der Hund zur Ruhe kommt, sonst nutzt es sich sehr schnell ab.

Buchtipp für Interessierte:

  • Stress bei Hunden – Martina Nagel/ Clarissa v. Reinhardt – animal learn Verlag

Text verfasst von Lea Benfer und Anke Rochelt, Copyright Hundeschule Teamwork: Dieser Text darf unter Angabe der Quelle gerne verlinkt oder anderweitig vervielfältig werden. Die URL-lautet: http://hundeschule-teamwork.com/angebote/info/mehr-wissen-ueber-hunde/stress-bei-hunden/